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 Stollentruhe

Rohhautlaterne

Die Stollentruhe

Die gotische Stollentruhe zeichnet sich durch ihre bis in das 12. Jahrhundert zurückreichende Art der Herstellung aus.
Der Truhenkörper steht dabei nicht direkt auf dem Boden sondern wird durch 4 Stollen (Füße) erhöht. Dabei dienen die Stollen nicht nur zum Anheben der Truhe sondern auch als Befestigung der Seitenwände.

Stollentruhen wurden im Hause als wichtigstes Lager-Mobiliar für alles Mögliche verwendet, und zwar gleichermaßen von Frauen auch als von Männern.
Und auf Wanderschaft konnte man die Stollentruhe auch getrost in den Dreck stellen, da der Inhalt vom Boden weg ist. So kann nicht mal eine Überschwemmung dem Transportgut etwas anhaben.
Oftmals waren die Deckel von Transporttruhen leicht gerundet sodass Regenwasser besser abtropfen kann.
Der Einfachheit wird bei meiner Truhe der Deckel jedoch gerade sein.

Als Vorlage sollte eine Stollentruhe aus dem Kloster Wiehnhausen dienen. Sie wurde dendrochronologisch auf kurz nach 1230 datiert.

Wir fangen an in dem wir uns über die Größe der Truhe Gedanken machen. Meine Truhe sollte grob die Maße 60cm x 50cm x 30cm haben und dann durch die Stollen um rund 10 cm vom Boden weg sein. Man muss unbedingt die Brettstärke mit in die Berechnung der Maße mit einbeziehen. Also rechnen wir mal mit 18 mm starken Brettern.

Wir brauchen Deckel und Boden, 2 Seitenwände, Front- und Rückseite sowie 4 Stollen.

Deckel und Boden sollen jeweils 50cm x 60 cm messen
Die beiden Seitenwände müssen dann die Maße 30 cm x 46,4 cm (50 cm abzüglich der Brettstärken von Front- und Rückplatte 3,6 cm) haben
Die Front- und Rückenbretter müssen folglich die Maße 60 cm x 31,8 cm haben*

*Wir stellen für die Stabilität die Seitenbretter auf den Boden die Front und Rückenbretter jedoch nicht.

Die Breite der Stollen müsst Ihr nach eurem Geschmack wählen, ich fand 10 cm in Ordnung, ihr könnt sie natürlich auch breiter machen, schmaler würd ich euch jedoch nicht anraten.

Wichtig: Deckel und Boden sollten aus einem Brett bestehen, aus Kostengründen musste ich jedoch Deckel und Boden aus jeweils 2 bzw 3 Brettern fertigen wer das auch so machen will, kann, muss jedoch nicht.

Zuerst bauen wir eine normale 6-Brett-Kiste. Wie oben schon gesagt Stellen wir die Seitenteile (A1 und A2) auf den Boden (B) und Nageln sie fest (Abb1).
Als nächstes kommen Front (C1)- und Rückenteil(C2) dran. Diese beiden kommen jedoch nicht! auf den Boden sondern davor (siehe Abb 2)

Abbildung 1 Abbildung 2

Wenn der Deckel aus einem Teil besteht könnt ihr diesen Schritt weglassen, ich erklär ihn aber trotzdem falls jemand doch genauso verfahren will wie ich.

Den Deckel musste ich aus ingesamt 3 Brettern machen, das mittlere kleinere Stück habe ich aus einem Reststück herausgesägt, weil der Typ vom Haagebaumarkt anscheinend nicht richtig Rechnen konnte und deswegen die Deckelbretter zu klein abgesägt hatte. Auch wenn man den Deckel aus zwei Brettern macht muss man  diese mit 2 kleinen Leisten zusammenhalten (solche Leisten kann man z. b. auch auf einer Stollentruhe aus dem Kloster Isernhagen um 1370 sehen)

Dabei ist zu beachten, dass die beiden Leisten insgesamt kürzer sind als der Innenraum der Kiste. Also aufpassen beim zuschneiden. Diese Leisten sollte man auch wegen der Optik von außen annageln und innen Umschlagen.

Kommen wir zum nächsten Schritt: Die Stollen.
Da es sich hier um eine Frontstollentruhe handelt werden die Stollen vorne und hinten angebracht. Sie reichen dann bis zum Deckel der Truhe hinauf; d. h. Ihr müsst die Höhe eurer Kiste und den gewünschten Abstand vom Boden addieren damit Ihr die Längenmaße der Stollen erhält.
In meinem Fall waren das 40 cm. Alle Stollen sind demnach 40 cm lang und 10 cm breit. Sie werden dann an den Ecken angelegt und an Front- und Hinterseite angenagelt. Achtet dabei darauf, dass ja schon Nägel im Holz sind.

Fertig sieht das dann so aus:

 

Die Scharniere hab ich aus Metall gemacht, weil ich da noch alte von meiner alten kaputten Kiste hatte. Mit Bohrer und Handsäge kann man jedoch auch eine Konstruktion aus Holz machen.
Zusätzlich kann man auch noch Griffe anbringen, jedoch sind diese eigentlich nicht wichtig, da man die Truhe ja sehr gut zu zweit unter den Stollen tragen kann.

Je nachdem welches Holz Ihr verwendet solltet Ihr die Kiste nun noch nachbehandeln damit sie gegen Nässe geschützt ist.

viel Erfolg beim Nachbauen


Die Laterne

Einkaufszettel

2 Vierkanthölzer 12x12 mm (oder auch dicker)
2 runde Platten 18 mm dicke 20-24 cm Durchmesser
2 lange Hundekauknochen (Rohhaut)
kurze Nägel
Holzleim
1 Blechhalbkugel

Ich möchte euch zeigen, wie ich eine Laterne gebaut habe, so wie sie in der Kreuzfahrerbibel (um 1250) zu sehen ist.
Zu sehen ist auf dem Bild noch der Fuß, diesen müsste man genauso wie die Halbkugel von einem Schmied machen lassen. Dieser Fuß kommt bei meiner Laterne erst später, jetzt hat das Geld nur für die Halbkugel gereicht.
Auffällig sind die 3 Stäbe und die beiden Schatten, was bei der Form auf fünf Seiten schließen lässt. Da mir keine Funde bekannt sind, lässt sich diese Vermutung nicht 100%ig belegen, es scheint unter einschlägigen Kreisen als am wahrscheinlichsten, dass die Laterne fünfseitig war.

Man muss zuerst zwei runde Platten zusägen (für den Deckel und den Boden) und dann ein Fünfeck konstruieren. Die sich daraus ergebende Seitenlänge muss man nun auf das Rohleder übertragen (achtet darauf dass sich die Rohhaut ja beim Trocknen wieder zusammen zieht). Weichen wir die Rohhaut erstmal ein. Die Hundekauknochen vom Dehner haben sich immer bewährt, wenn sie weich genug sind kann man die Knoten lösen und die dicken Stücke reichen ziemlich genau für eine Laterne mit einer Seitenlänge von 

Wer weis wie man ein Fünfeck konstruiert, kann das hier überspringen, für diejenigen deren Geometrie etwas eingerostet ist hier eine kurze Nachhilfe:

Das rote, blaue und grüne Dreieck ist jeweils das gleiche gleichschenkliche Dreieck mit dem eingezeichneten Winkel von 36 °.
Das rote wird nach unten gespiegelt, sodass die Hypotenuse (Unterseite des roten Dreiecks) die Spiegelachse ist.
Nun wird das blaue Dreieck nach rechts gedreht damit es zum grünen Dreieck wird. 
Die Hypotenuse des grünen Dreiecks muss nun auf dem rechten blauen Schenkel liegen.

Jetzt hat man alle 5 Punkte. Wenn man diese nun verbindet erhält man ein reguläres Fünfeck.

Dieses zeichnen wir so, auf eine der Holzscheiben, dass man noch einen Rand überstehen haben. Während wir nun die ungefähre Seitenlänge haben, können wir die hoffentlich schon weichen Hundekauknochen aufdröseln die Seiten grob zuschneiden (d. h. die Länge). Jetzt muss man die 5 Rohhautflächen erstmal gründlich bügeln. Die Rohhaut auf ein Stück Tuch, und dann wieder ein Stück Tuch auf die Rohhaut und nun mit dem heißen Bügeleisen drüber. Die gebügelte Rohhaut muss nun unter die Presse. 5 - 6 Pflastersteine auf ein Stück Rohhaut haben sich bewährt. Lieber zu schwer als zu leicht. Um das Gewicht gleichmäßig zu verteilen legt ein Brett unter und über die Rohhaut. Die Seitenwände müssen richtig platt sein.

Während die Rohhautstreifen trocknen und platt werden können wir die Vierkanthölzer zusägen. Zunächst 10 gleichlange (etwa 24 cm lange) Hölzer, später  braucht man noch zwei kürzere. Die Länge ergibt sich aus der Höhe der Laterne + 2 bis 3 cm Zuschlag für die Verbindung. 
Bevor wir die Löcher zur Aufnahme der Vierkanthölzer in die Laterne bohren, bohren wir am besten ein Musterloch irgendwo in ein Reststück Holz.
Dann feilen wir oben und unten 1 - 1,5 cm von der Oberkante des Kantholzes einen runden Stift heraus, der genau in das Musterloch passt ohne dass das Kantholz schief steht. Das Loch sollte nicht zu klein sein, aber auch nicht größer als das Vierkantholz. Es sollte ohne großen Kraftaufwand hinein gehen, und ohne großen Kraftaufwand raus gehen. Allerdings darf es nicht herumschlackern oder zu leicht rein und raus rutschen. Sind alle Kanthölzer oben und unten rund gefeilt worden, können wir uns die Rohhautstreifen anschauen.

Sie sollten fest und platt genug sein, dass wir die Nagellöcher vorbereiten können. Wir schlagen die Löcher in die noch leicht weichen Rohhautstreifen, das geht einfacher (wir stanzen so zu sagen die Löcher vor) denn nun werden die Rohhautstreifen über Nacht weiter gepresst. Fünf Nägel pro Kantholz dürfte ausreichen. An dieser Stelle sollte man die Höhe nochmals korrigieren, denn oben und unten sollte etwas ausgespart bleiben, für die Luftzufuhr, bzw. Luftabzug.
Morgen bauen wir die Laterne fertig

Am nächsten Tag sehen wir nach unseren Rohhautstreifen. Sie sollten schon steinhart sein oder fast steinhart sein. Wir nehmen uns ein Vierkantholz und nageln einen Rohhautstreifen drauf. Unsere vorgetanzten Löcher sollten hierbei eine große Hilfe sein.
Nun bohren wir Löcher laut dem unten gezeigten Schema. 

Diese Skizze soll nur ungefähr aufzeigen wo die Stäbe hin müssen. Die genaue Lage hängt von der Größe der Rohhautstreifen ab. Die unteren beiden Stäbe können auch weiter unten liegen, je nachdem wie breit das Türchen dann wird. 
Um die genaue Lage der Stäbe (und der Löcher)  zu bestimmen gehen wir wie folgt vor:

Wir fangen mit einem X beliebigen Loch an (Bspw. Loch 1) bohren es und passen es so weit an, dass unser erstes Vierkantholz mit dem angenagelten Rohhautstreifen rein passt. Nun drehen wir den Stab so, dass die Rohhaut die Kante des 5-Ecks beschreibt und schauen wo das Ende der Rohhaut ist. Im Idealfall liegt sie dort wo Loch 2 in unserer Skizze hin muss, wenn nicht, schneiden wir die Rohhaut passend zu und markieren die genaue Lage von Loch 2. 
Nun bohren wir Loch 2 und nageln das zweite Vierkantholz an die Rohhaut. Nun sollte die beiden Zapfen ohne Probleme in die Löcher passen. Und weiter mit Loch 3........

Sind die acht Stäbe der vier Seiten fest, kommt der Deckel drauf. Man legt am besten die Laterne mit dem Deckel nach unten und zeichnet die Löcher ein. Außerdem kann man schon mal ein Loch in die Mitte bohren.

Der Deckel sollte nun auf die runden Zapfen der Vierkanthölzer passen. Nun zeichnet man am besten nur auf dem Deckel ein Loch für das Tür-Lager ein. Das Vierkantholz der Tür muss sich frei drehen lassen, es darf also nicht an einem anderen Vierkantholz hängen bleiben. Üblicherweise ist das Lager rechts wohin auch die Tür aufgeht. Das Loch für die Tür muss etwas größer sein, oder der Zapfen kleiner. Hat man das Loch im Deckel kann man mit dem Tür-Holz die Lage des unteren Lochs ausmachen und ebenfalls bohren. Zum bohren kann man die Laterne auch wieder auseinander nehmen vergesst aber nicht die Seitenteile so zu markieren damit ihr wisst wo es dann wieder hin kommt. 
Nun können wir auch das Deckelloch aussägen. Ein Durchmesser von 4 - 5 cm reicht völlig aus.

Nun baut man die Tür. Das rechte Vierkantholz bekommt zwei Zapfen oben und unten kann man kurze Hölzer mit annageln. Das linke Vierkantholz endet auf den Maßen der Rohhaut.

Konnte man die Tür nicht so bündig anbringen, dass sie von selbst hält, kann man nun einen Schwinghacken oder dergleichen zum arretieren anbringen.

Nun braucht man noch eine Kuppel. Lässt man sich eine Kuppel anfertigen braucht man Maße

Ungefähr diese Form. Außen braucht man einen Rand etwa 1 cm breit, zum späteren annageln.
Als Material habe ich Kupfer genommen, das Bild aus der Kfb lässt jedoch auf einfaches Eisen schließen. Messing wäre auch noch denkbar. Wie man den die Halbkugel anbringt sag ich dann wenn meine Halbkugel da ist.

Zum Schluss braucht man noch einen Stachel damit die Kerze später nicht wild herumfliegt.

Ein langer Nagel, tut es auch, in jedem Einrichtungshaus kann man jedoch relativ günstig einfache Kerzenständer erstehen, die den selben Zweck erfüllen, vielleicht muss man diese aber noch nachbearbeiten.

Die Kuppel wird mittels der kurzen Nägel die wir schon die ganze Zeit verwenden einfach auf den Deckel genagelt. Dazu baut man den Deckel am besten nochmals ab. Kupfer ist weich genug sodass das geht. Bei andern Materialien muss man vielleicht zuvor mit einem Stachel die Löcher vorschlagen.

Rechts sieht man welch unglaubliche Leuchtkraft dahinter steckt, man denkt vorher (wenn man die Rohhaut so sieht) dass eine Laterne daraus doch so hell sein kann.

Passt alles, kann man alle Kanthölzer bis auf das der Tür mit ein paar Tropfen anleimen. Zum Schluss feilt man zur bessern Optik die überstehende Teile der Zapfen bündig mit Deckel und Boden ab. Fertig!

 

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